Fast jedes Übersetzungsbüro verspricht hohe Qualität. Für Auftraggeber ist es jedoch oft schwer zu beurteilen, was sich hinter diesem Versprechen verbirgt. Wie werden Übersetzer ausgewählt? Wer prüft die Texte? Was passiert, wenn ein Fehler entdeckt wird? Eine Antwort auf diese Fragen gibt die internationale Norm ISO 17100, die Mindestanforderungen an Übersetzungsdienstleistungen festlegt. Sie ist für Kunden ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Auswahl eines Partners.

Dieser Beitrag erklärt, was die Norm regelt, welche Vorteile sie bietet und worauf Sie bei der Auswahl eines Anbieters achten sollten.

Was die Norm festlegt

ISO 17100 beschreibt den gesamten Übersetzungsprozess, von der Anfrage bis zur Lieferung. Sie legt fest, welche Qualifikationen Übersetzer, Revisoren und Projektmanager mitbringen müssen, welche Schritte jedes Projekt durchläuft und wie mit Kundenfeedback umgegangen wird. Den vollständigen Normtext veröffentlicht die Internationale Organisation für Normung.

Das Herzstück der Norm ist das Vier Augen Prinzip: Jede Übersetzung wird von einer zweiten qualifizierten Person geprüft, bevor sie an den Kunden geht.

Anforderungen an Übersetzer

Nach ISO 17100 müssen Übersetzer bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört ein Hochschulabschluss in Übersetzen oder ein gleichwertiger Abschluss mit Berufserfahrung. Zusätzlich müssen sie über sprachliche, kulturelle, fachliche und technische Kompetenzen verfügen. In der Praxis bedeutet das: Ein Übersetzer arbeitet in seine Muttersprache und nur in Fachgebieten, in denen er wirklich zu Hause ist.

Der Ablauf eines Projekts

  • Analyse der Anfrage und Klärung der Anforderungen
  • Auswahl qualifizierter Übersetzer und Revisoren
  • Vorbereitung von Glossaren und Referenzmaterial
  • Übersetzung durch einen Fachübersetzer
  • Revision durch eine zweite qualifizierte Person
  • Abschließende Prüfung und Lieferung
  • Auswertung von Kundenrückmeldungen

Optional können weitere Schritte hinzukommen, etwa eine fachliche Prüfung durch einen Experten oder ein Korrekturlesen im fertigen Layout.

Was ein zertifiziertes Unternehmen auszeichnet

Ein nach ISO 17100 zertifiziertes Übersetzungsunternehmen wird regelmäßig von unabhängigen Stellen überprüft. Die Auditoren kontrollieren, ob die Prozesse tatsächlich eingehalten werden, ob Qualifikationen nachgewiesen sind und ob Reklamationen sauber bearbeitet werden. Für Kunden ist das eine gewisse Sicherheit, dass Qualität nicht nur versprochen, sondern systematisch umgesetzt wird.

Wann die Norm besonders wichtig ist

Für viele Branchen ist eine geprüfte Übersetzungsqualität unverzichtbar. Pharmaunternehmen, Medizintechnikhersteller, Banken, Versicherungen, Maschinenbauer und öffentliche Auftraggeber verlangen häufig einen Nachweis über anerkannte Qualitätsstandards. In Ausschreibungen ist die Zertifizierung oft eine Voraussetzung für die Teilnahme. Auch bei sensiblen Texten wie Verträgen, Sicherheitshinweisen oder Patienteninformationen lohnt sich ein Anbieter mit strukturiertem Qualitätsmanagement.

Zertifizierung ist nicht alles

Eine Zertifizierung allein garantiert noch keine perfekte Übersetzung. Entscheidend sind die Menschen, die den Text bearbeiten, und die Kommunikation mit dem Kunden. Ein gutes Briefing, ein gepflegtes Glossar und schnelle Antworten auf Rückfragen tragen genauso zur Qualität bei wie standardisierte Prozesse. Welche weiteren Kriterien bei der Auswahl helfen, beschreibt der Beitrag über professionelle Übersetzungsdienste und ihre Zertifizierungen.

Weitere relevante Normen

Neben ISO 17100 gibt es weitere Normen, die für Übersetzungsdienstleister relevant sein können. ISO 18587 regelt die Nachbearbeitung maschineller Übersetzungen, ISO 9001 das allgemeine Qualitätsmanagement und ISO 27001 die Informationssicherheit. Gerade beim Umgang mit vertraulichen Unternehmensdaten wird die Informationssicherheit für viele Kunden immer wichtiger.

Fragen an einen potenziellen Anbieter

  • Arbeiten Sie nach ISO 17100 und ist das zertifiziert?
  • Wer übersetzt und wer revidiert meinen Text?
  • Welche Erfahrung haben Ihre Übersetzer in meiner Branche?
  • Wie gehen Sie mit Terminologie und Glossaren um?
  • Wie werden meine Daten geschützt?

Die Rolle des Revisors

Der Revisor ist nach der Norm nicht einfach ein Korrekturleser. Er vergleicht die Übersetzung Satz für Satz mit dem Ausgangstext und prüft, ob Inhalt, Terminologie, Stil und Zweck stimmen. Er achtet darauf, dass keine Informationen fehlen oder hinzugefügt wurden, dass Zahlen und Namen korrekt übernommen sind und dass der Text für die Zielgruppe angemessen klingt. Dafür muss er dieselben Qualifikationen mitbringen wie der Übersetzer selbst. Gerade bei technischen und juristischen Texten deckt dieser zweite Blick häufig Feinheiten auf, die dem ersten Übersetzer entgangen sind, etwa eine missverständliche Formulierung oder einen uneinheitlich verwendeten Fachbegriff.

Projektmanagement als Erfolgsfaktor

Hinter jedem größeren Übersetzungsprojekt steht ein Projektmanager. Er klärt mit dem Kunden Termine, Formate und Besonderheiten, stellt das passende Team zusammen, verteilt Referenzmaterial und behält den Zeitplan im Blick. Bei mehrsprachigen Projekten koordiniert er oft Dutzende Übersetzer gleichzeitig. Die Norm verlangt, dass auch Projektmanager über geeignete Kompetenzen verfügen. Für Kunden bedeutet ein gutes Projektmanagement vor allem eines: einen festen Ansprechpartner, der Fragen schnell beantwortet und für reibungslose Abläufe sorgt.

Rückmeldungen ernst nehmen

Ein weiterer wichtiger Punkt der Norm ist der Umgang mit Kundenfeedback. Rückmeldungen werden dokumentiert, analysiert und fließen in künftige Projekte ein. Wird ein Fehler gefunden, wird er korrigiert und die Ursache untersucht. So verbessert sich die Qualität mit jedem Auftrag weiter, und Glossare sowie Stilvorgaben werden laufend aktualisiert.

Kosten und Nutzen

Ein Übersetzungsbüro mit zertifizierten Prozessen ist nicht automatisch teurer. Die zweite Prüfung kostet zwar Zeit, spart aber spätere Korrekturschleifen, Reklamationen und im schlimmsten Fall teure Folgen fehlerhafter Texte. Für Unternehmen zählt am Ende das Gesamtergebnis.

Fazit

Qualität in der Übersetzung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis klarer Prozesse und qualifizierter Menschen. Normen wie ISO 17100 geben Auftraggebern eine verlässliche Orientierung und helfen dabei, den passenden Partner für anspruchsvolle Projekte zu finden.